Harter Alltag für Konzertfotografen – Ein Blick über den Tellerrand

15132096Diejenigen die mich kennen, wissen das ich seit rund 3 Jahren sehr aktiv im Bereich der Konzertfotografie unterwegs bin. Anfänglich für ein kleines Szenemagazin, zwischenzeitlich für eine kleinere Bildagentur und seit einem knappen Jahr primär für das Kulturmagazin imScheinwerfer, bei dem ich als Redaktionsmitglied den kompletten Konzertbereich inkl. jeglicher Akkreditierungen koordiniere. In der Zeit hab ich selber schon so alles möglich erlebt und auch einige (teilweise nicht sehr nette) Verträge unterschrieben. Dies jedoch immer mit dem Hintergedanken, dass diese rein rechtlich in der Schweiz eh kaum haltbar sind, wenns hart auf hart kommt.

Leider geht die Entwicklung in den letzten Jahren immer mehr dahin, dass Künstler eine volle Kontrolle ihrer öffentlichen Seite anstreben. Da gehört auch die Konzertfotografie dazu. Leider kommt es immer öfters vor das Künstler, respektive deren Management, in Knebelverträgen jegliche Bildrechte von den Fotografen verlangen um deren Bilder kostenlos für ihre eigenen Zwecke zu verwenden. Wer diese Verträge unterschreibt geht das Risiko ein, dass die Band das Bildmaterial in hochaufgelöster Form einfordert und damit T-Shirts, Booklets, Merchandise, Poster etc. gestaltet und vermarktet, ohne das der Fotograf einen entsprechende Gegenleistung erhält. Andere Managements wollen jegliches tagesaktuelle Bildmaterial zuerst prüfen und eine Freigabe erteilen bevor es gedruckt werden darf. Nur wie soll das funktionieren, wenn man als Fotograf für eine Tageszeitung fotografiert? Soll das Konzertreview 2 Wochen später erscheinen, wenn es niemanden mehr interessiert?

Aus aktuellem Anlass haben z.B. Fotografen und Presse das Konzert der deutschen Band Rammstein in Hamburg boykottiert. Die Hamburger Zeitung hat sogar anstatt einem Bild/Review, schlicht einen schwarzen Kasten abgedruckt.

-> Hamburger Fotografen boykottieren Rammstein Auftritt

Heute bin ich einmal mehr über einen Bericht eines amerikanischen Kollegen gestossen. Er hat auf seinem Blog den Mailverkehr den er mit dem Manager einer namenhaften amerikanischen Band hatte, publiziert. Was zunächst als schlechter Witz anmutet, stellt sich schlussendlich als ernst gemeinte Argumentation seitens des Management heraus.

-> Management madness

Nun was soll nun dieser Artikel..? Ich möchte damit einmal aufzeigen was sich als gefährliche Spirale  in den letzten Jahren entwickelt. Zum einen schreit die Musikindustrie über Diebstahl mit Musikdownloads, klaut aber auf der anderen Seite z.B. Fotografen ihre Bilder um diese vollumfänglich kommerziell nutzen zu können. Oder ist eine Band vielleicht bereit ein Konzert unter der Vorraussetzung zu spielen, dass der Veranstalter ihnen keine Gage bezahlt, den kompletten Gig aufzeichnet und anschliessend jegliche Vermarktungsrechte für die Audioaufnahmen erhält um mit diesen Geld zu verdienen? So in etwa verhält es sich, wenn eine Band Fotografen auffordert jegliche Bildrechte abzutreten nur damit diese einen Fotopass erhalten.

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Ich möchte an dieser Stelle aber auch einmal sagen dass es noch die andere Seite gibt. In den drei Jahren habe ich über 150 Bands fotografiert. Da gab es einige die mich anschliessend wegen der Bilder kontaktiert haben. Grundsätzlich gebe ich meine Bilder in Webgrösse gerne kostenlos an die Band für deren Websites weiter. Hochaufgelöstes Bildmaterial geb aber auch ich nicht ohne Gegenleistung raus. Ein schönes Beispiel wie man sich z.B. mit einer kleinen Band einigen kann ist z.B. der Tausch von Bildmaterial gegen CD’s (wenn man die als musikliebender Fotograf nicht eh schon im Regal hat). Auf diesem Weg haben es einige CD’s in mein Regal geschafft.

Ein Beispiel für gute Arbeit seitens eines Veranstalters hab ich erst in den letzten Wochen erlebt. Es ging wieder einmal um einen Absatz im Fotovertrag, der der Band jegliches Bildmaterial inkl. aller Nutzungsrechte ohne Entschädigung für den Fotografen zugesichert hätte. In dem Vertrag stand sogar noch eine Mailadresse an die man die Fotos schicken sollte. Hier hat schlussendlich der Veranstalter insistiert um diesen Artikel für das Konzert in der Schweiz streichen lassen. Das Management hat dies auch ohne widerrede getan.

Auch wenn die Konzertfotografie für den Fotografen mit viel Spass und spannenden Erlebnissen verbunden ist, es ist und bleibt trotzdem Arbeit (oder für einige Hobby), welche mit einem sehr grossen Zeitaufwand verbunden ist. Wer dies nicht respektiert, hat es auch nicht verdient haben mediale Aufmerksamkeit zu erhalten!

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PS: Die Bilder im Artikel dienen lediglich als Illustration ..

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